24.01.2020 reclaim your club - club against reality - Volume 5

Optimiert Euch! Zu Techno, Drogen und Politik

Artwork by Christoph Hinterhuber
Artwork by Christoph Hinterhuber

Bei unserem ersten club:against:reality in Kooperation mit und @Reich für die Insel im Jahr 2020 widmeten wir uns dem Verhältnis von Drogen, Kapitalismus und Technokultur.
Dafür haben wir Robert Feustel eingeladen. Unter dem Motto: Optimiert Euch! Zu Techno, Drogen und Politik stellte er seine Sichtweise auf dieses Verhältnis dar.
Im Anschluss gab es eine Diskussion, bevor wir dann den Kubus zum Beben brachten, durch die DJs I_am_not_god (club against reality/ Kulturkollektiv ContrApunkt), Liz (Eternal Kollektiv) b2b mit Matthi Brunner (Eternal Kollektiv) und Barbara B. (Konnex). Visuals gab es von VDj 0GDY.

Mit dem zweiten Summer of Love 1988 erlebten Drogen, allen voran LSD und Ecstasy (MDMA), eine Renaissance. Kurz schien es, als würden sie erneut Teil einer rebellischen Gegenkultur, in Kombination mit Techno, Rave und langen Nächten. Allerdings
zeigte sich recht schnell, dass die neue Jugendkultur weniger im Aufbruch begriffen war. Vielmehr dienten Drogen dazu, Arbeitswelt und Partykultur, Normalität und Ausbruch in Einklang zu bringen, was zu einer eigenwilligen Affirmation des Normalen führt. In diesem Kontext entwickelte sich Drogenkonsum zum Modus der Selbstoptimierung: Er hilft zur Entspannung, zur Leistungssteigerung oder fördert vermeintlich die Kreativität. Was zwei Jahrzehnte zuvor Mittel zum Ausbruch, zum „drop out" (Timothy Leary) sein sollte, passt sich nun dem neuen „Geist des Kapitalismus" an und bereitet einen Zugriff auf Drogen vor, der später mit dem Schlagwort Neuro-Enhancement von sich reden machen und den Drogenkonsumenten zum „unternehmerischen Selbst" umformen wird.

Robert Feustel
Robert Feustel

Robert Feustel beschäftigt sich mit politischer Theorie, Kultursoziologie sowie Wissenschaftsgeschichte; ist Politikwissenschaftler von Haus aus, promovierte in Leipzig, lehrt und arbeitet mittlerweile in Jena und Leipzig.

i_am_not_god
i_am_not_god

i_am_not_god
Wieder dabei war unser Resident DJ I_am_not_god. i_am_not_god kommt aus Innsbruck und ist zu 50% Ontolog und zu50% Krawallbeauftragter beim Kulturkollektiv Contrapunkt mit Mission zum Aufmischen. Technoider und elektrisierender Sound für die hedonistischen Akteur*innen der Nacht. „Why they hide their bodies under my garage?“ Wir wissen es nicht. Gott ist er nicht. Dj will er auch keiner sein und eigentlich ist es auch ein bisschen egal. Der Körper will in den Raum, kollektiver Eskapismus, esoterischer Körperscheiß und dennoch so geil wie gar nichts. Techno kam aus der Zukunft, der Terminator auch. Lasst sie uns Feiern, die Präzision der Maschinen, die Tanzwütigen, die Euphorie, die Musik… Techno geht überall!

Liz b2b mit Matthi Brunner
Liz b2b mit Matthi Brunner

Liz (Eternal Kollektiv) b2b mit Matthi Brunner (Eternal Kollektiv)
Gleich zwei Vertreter*innen des Eternal Kollektiv konnten wir bei unserer Veranstaltung antreffen. Unter anderem Liz. Bekannt ist Liz vor allem durch ihre kompromisslose Interpretation von Techno. Eine Symbiose aus industriellen Einflüssen und melodischen Akzenten kennzeichnen ihre DJ Sets.
Unterstützt wird sie von Matthi Brunner. Seine musikalischen Darbietungen sind ein Versuch elektronische Musik frisch zu interpretieren, ohne seine Ursprünge zu vergessen. Eine heterogene Klanglandschaft, die von den Wurzeln des Technos bis hin zu postmodernen Leftfield-Sounds reicht, spiegelt sich in seinen Sets wider.

Barbara B.
Barbara B.

Barbara B. (Konnex)
Barbara B as in a meaning of:
Powerful Breaking Beats,  Mind Bending Builds, Brute Force, Blurry Basslines, Better Beginning, BBB, Member of the BBForce, Bangin Heads, Bitter Sweet Breaks, BBB..bB, Burning Diesel Passion, bBbbbBbb.. BBBbB, Bad Bad, bbbBbB, Badlands Walker, BBbbbBbb..... BBbbbBbb,
BB, Bag Lady, Balanced Fascist Killer, Bandit Ballerina, BBbbbBbbbeatsbeatsbreakingbbbb, Banjo Babe, bBbbbBbb bBbbbBbb.., Barbaric Bar Visits, BBbbbBbb BBBbB, Black Belt Raver, BbbbhhbbbBbbBb, Bye Bye Bystanders
ENOUGH B FOR EVERYONE

VDj_0GDY
VDj 0GDY

VDj 0GDY (because other girls do yoga)
Bezauberte uns am 24.1. 2020 mit Visuals.
She ist founding Member of „Merz Kollektiv (Kollektiv für eh alles, Grafik, Architektur, Illustration und Installation)“ since Dez 2018. Visual projections and Light together with Jonas Mertens for Konnex/Yakamoz since Okt. 2019.
"Originating from Illustration and graphic design I now pursue my interest in computational design and creative code such as installation art. I am fascinated by the endless possibilities of visualizing audio data through code. VDjing for me is an opportunity to create a unique and strong atmosphere. I am fascinated by the endless possibilities of visualizing audio data through code. I have a fable for the dystopian, the non and post human and I would describe my works as rough, futuristic, and dark. Lots of flash, little color. My priority though is to connect my work with the work of the Dj in a symbiotic manner.
Since the beginning doing visuals and lights for me has always had something alike putting up a mixed media installation.
A piece of art underlining sound and reinforcing the feeling transmitted by it.
I want people not to close but open their eyes to dive even deeper into the sound."

Bei unseren Veranstaltungen haben aggressives Verhalten und Diskriminierungen wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie keinen Platz!
„Respecting each other is the key!“

Projektbeschreibung „reclaim your club  - club against reality – space for political club culture"
Techno ist als urbane Clubkultur vorallem im Clubkontext verortet. Der Club dient dabei als Ort der städtischen Kanalisation von elektronischer Musik, wo Menschen Raum für Hedonismus und Eskapismus aus dem Alltag finden. Trotz des nächtlichen Ausstiegs der Menschen aus dem kapitalistischen Zwangsalltag, bleibt der Club als realer Ort Teil der Gesellschaft. Diskriminierungen, wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie werden im Clubkontext (re)-produziert. Außerdem wird allzu oft eine Türpolitik betrieben, die nach rassistischen und sexistischen Kriterien funktioniert. Verbale und körperliche Übergriffe sind nur ein kleiner Ausschnitt, die das gegenwärtige Clubleben ausmachen und von Seiten der Betreibenden kaum thematisiert werden. Im Zentrum steht ein finanziell erfolgreicher Abend und nicht das Erlebnis und das Wohlbefinden der Besucher*innen und die Musik der Künstler*innen. Die Bookings der meisten Clubs funktionieren nach den herkömmlichen gesellschaftlichen Kriterien, wo „Weiße Männer, die der Mainstream produziert, im Vordergrund stehen und ihre Bühne bekommen.“ Patriarchale Clubkultur, spiegelt den tradierten, hierarchischen Platz der Frauen wider. Künstlerinnen sind eine Ausnahmeerscheinung, hingegen scheint der Platz hinter der Bar der lächelnd servierenden Barfrau klar zugeschrieben. Argumentiert wird unter anderem damit, dass es ja so gut wie keine Frauen als Djs, Live Acts oder Visual Artist gäbe. Doch allein ein Blick auf Datenbanken wie femalepressure und femdex zeigen Gegenteiliges. Musikalische und medienkünstlerische Experimente – “off the beaten track” – sucht man wie die viel zitierte Nadel im Heuhaufen. All die Problematiken der gegenwärtigen Clublandschaft – auch in Innsbruck – produzieren einen Mikrokosmos, den wir mit unserer Veranstaltungsreihe kritisch zu hinterfragen versuchen und Alternativen zu denken. Vor diesem Hintergrund ist es unserer Meinung nach zentral, dass wir uns nicht nur über Clubkultur und ihre Mechanismen unterhalten, sondern auch die gesellschaftlichen Verhältnisse und diskriminierenden Verhaltensweisen innerhalb unserer Freiräume benennen, um ihnen im Sinne einer emanzipatorischen Clubkultur entgegenzuwirken. Daher werden wir mit unserem Projekt "reclaim your club“ und unserem Clubformat "club against reality", unsere Rolle als Veranstalter*innen in diesem Projekt reflektieren, um uns politisch zu positionieren.

  • Die Reihe "reclaim your club - club against reality" ist nicht auf eine bestimme Örtlichkeit konzentriert, sondern ist die „ortlose“ Idee eines Clubs. Dafür werden Räume temporär für Clubabende angeeignet. Im Zentrum von „reclaim your club - club against reality" stehen die Besucher*innen sowie das Sounderlebnis und nicht nicht der Starkult um Künstler*innen. Das eingangs beschriebene Bild gilt es zu hinterfragen und temporär eine andere Realität - ein anderes kollektives Erlebnis  im Club zu schaffen. „Another club is possible!“
  • Den Dancefloor erklären wir zum anonymen Raum. Wir wollen bewusst ein Zeichen gegen den gegenwärtigen panoptischen Trend, alles und jedes öffentlich zu machen setzen. Fotos- und Videoaufnahmen sind explizit unerwünscht. „Your Dancefloor is our dancefloor is your dancefloor!“
  • „reclaim your club - club against reality“ wird ein Ort für Techno, Experimentalmusik, Visuals Artists, und Theorie sein. „A club is more than feel good sound!“'
  • Bei unseren Veranstaltungen haben aggressives Verhalten und Diskriminierungen wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homo- und Transphobie keinen Platz. „Respecting each other is the key!“
  • Wir wollen mindestens 50% an Künstler*innen bei unseren Veranstaltungen, die sich als Frauen identifizieren. Wir wollen bewusst mit den patriarchalen Strukturen in der Clubkultur brechen: Wo Männer fast ausschließlich Männer buchen: „Music is unique, people are divers!“
  • Awareness und Safer Spaces sollen nicht nur Worthülsen sein, sondern unser übergeordnetes Ziel ist, dass sich alle Menschen bei unseren Veranstaltungen wohl, frei und sicher fühlen können. Um dieses Ziel zu erreichen, muss allen Beteiligten klar werden, dass die notwendige Sensibilität alle Verantwortungsbereiche und Akteur*innen eines Clubs betrifft. „Be aware, respect and care!“
  • „reclaim your club - club against reality“ will gesellschaftliche Verhältnisse zum Thema machen. Dafür werden Menschen aus der Club- und Technopraxis eingeladen. Die theoretischen Inputs werden in Form von Lesungen, Filmen, Vorträgen und Diskussionen vermittelt. „Structure and strategy don’t have to be hierarchy!“

Vielen Dank an das "Reclaim Club Culture" – Netzwerk und ihrer Fibel: menschmeier.berlin/fibel

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Vielen Dank für die Unterstützung an