karoshi 2020

oder 10 Jahre #againstreality

Seit zehn Jahren sind wir als Kulturkollektiv ContrApunkt in Innsbruck umtriebig. Dieses Jahr ist somit ein Jubeljahr aber zum Jubeln gibt’s bisher eigentlich wenig: Schwarz-blau äh Schwarz-grün regiert bundesweit, Innsbruck ist die grünste Verbotsstadt und sonst scheint die allgemeine Stimmung klimatisch bedingt apokalyptisch zu sein, aber dafür ist die FPÖ im Moment lustig. Wie auch immer, wir wollen dieses Jahr nicht viel anderes machen, als wir sonst immer tun: Eine Plattform für Kulturarbeit zu gestalten, wo ein interdisziplinärer Zugang zu Kultur, Gesellschaft und Politik wesentlich ist und Theorie und Praxis ineinandergreifen. Dafür werden wir uns dieses Jahr vor allem auf unsere Veranstaltungsreihen #diskursiv und club:against:reality konzentrieren.

Einen club:against:reality hatten wir ja schon, nicht in der p.m.k., sondern im „Kubus/Reich für die Insel“ vor dem Landestheater und das war gut so. Einen #diskursrave in einem ehemaligen Luxusrestaurant ist schon Mal was anderes, als die üblichen verdächtigen Orte. Übrigens zum Thema Stadtentwicklung haben wir im Frühjahr eine Veranstaltung geplant, wobei der Begriff Stadt und Entwicklung in Zusammenhang, kritisch betrachtet werden soll, vor allem in Innsbruck. Doch zuvor sehen wir uns am 21.3.2020 zum  „Internationalen Tag gegen Rassismus“ im Cinematograph. Rassismus ist Teil des öffentlichen gesellschaftlichen Gewebes. Daher werden wir gemeinsam mit der Antidiskriminierungsinitiative D)ort den Film „concerning violence“ zeigen. Die Grundlage des Films ist Frantz Fanons Essay
„Die Verdammten dieser Welt“. Wir wollen an diesem Tag ein Zeichen gegen die rassistischen Zustände setzten. Es ist natürlich nicht alles Scheiße, sondern auch nutzlos & schön. Daher haben wir im April auch noch das Filmfestival Diametrale, natürlich zusammen mit der Diametrale. Was wir sonst noch dieses Jahr vorhaben, werden wir euch noch wissen lassen. Aber gemäß unserer Selbstbeschreibung bleiben wir unserem Fokus treu: In unserer Aufmerksamkeit liegen gesellschaftliche Randbereiche und gegenkulturelle Aktivitäten - von Musik, Literatur, Film bis hin zu Theorie.

Übrigens ist das japanische Wort Karōshi Ausdruck für einen plötzlich berufsbezogenen Tod. In Südkorea übrigens kwarosa und in China guòláos genannt. Ist es absurd, dass es in den verschiedenen Sprachen einen Ausdruck dafür gibt, oder dass es im Deutsch keinen gibt? Wie auch immer haben wir für unser zehntes Jahr Karoshi als Namen gewählt. Was diese zwei Sachen miteinander zu tun haben? Eigentlich nicht viel und vielleicht hört man schon die cultural appropriation Keule, wenn wir einen japanischen Ausdruck für unser Jubiläum nehmen? Man weiß nicht, aber es ist uns auch egal, denn so absurd wie die Auslegung von cultural appropriation gegenwärtig praktiziert wird, desto schräger wäre es hiesige Kulturarbeit mit den Effekten von Karoshi gleichzusetzen und trotzdem gibt es eine Komponente, die wir aufgreifen wollen: Die Aufopferung für eine Tätigkeit.  Die Arbeit in der freien Kulturszene wird nicht als klassische Lohnarbeit betrachtet. Gute Arbeitsbedingungen sind selten, Prekäre Arbeitsverhältnisse und  selbstausbeuterischen Strukturen sind Normalität. Es wird als eine besondere Aufopferung gesehen, die jeder ja gerne macht. Kulturarbeit ist größtenteils gekennzeichnet durch ehrenamtliche Strukturen und das es Arbeit ist, wird nicht gern anerkannt, wieso auch sonst könnte jemand auf die komische Idee kommen, Arbeit zu bezahlen. Unsere Neokulturminister*in will #fairpay im Kulturbereich als zentrales Thema etablieren. Somit wird alles besser, Ironie Ende.

Wir wünschen euch und uns nur das Beste, denn das Schlechteste ist eh allgegenwärtig. In diesem Sinne: against reality!

Im Rahmen des Projektes karoshi sind folgende Veranstaltungen geplant und teilweise durchgeführt worden:

  • club:against:reality Vortrag und Diskussion mit Robert Feustel zum Thema „Optimiert Euch! Zu Techno, Drogen und Politik
  • #diskursiv Black History Month -Film „Concerning violence“ zusammen mit der Initiative Dort 
  • club:against:reality Lesung mit Bianca Ludewig zu ihrem Buch „Utopie und Apokalypse in der Popmusik. Gabber und Breakcore in Berlin“
  • #diskursiv Vortrag mit Drehli Robnik beim Filmfestival Diametrale
  • #diskursiv  Filmvorführung und Vortrag „Die Stadt als Beute“ von Regisseur Andreas Wilcke.
  • club:against:reality Vortrag und Diskussion mit Kilian Jörg sowie Green Music Initiative zum Thema Clubkultur und Ökologie
Die Veranstaltungen wurden ermöglicht mit der Unterstützung von