10.4.2019 #diskursiv: "Die Option zu kämpfen. Statt Weniger oder Mehr: Pop als ­aufständische Assoziation”

Wir freuen uns Daniel „classless“ Kulla im Rahmen unserer #diskursiv Reihe begrüßen zu können. Er wird aus seiner Veranstaltungsreihe “Die Option zu kämpfen Statt Weniger oder Mehr: Pop als aufständische Assoziation."

Während die einen den Niedergang und Verfall der "Popkultur" beklagen, schrumpfende Verkaufszahlen und wegbrechende Einkommensgrundlagen, wiederkehrende Trends und hohle Anpasserei, kriegen sich die anderen über die vielen neuen Möglichkeiten des Internets nicht mehr ein: jeder und jede könne es jetzt schaffen, seit Tontechnik und Kameras immer einfacher verfügbar sind. Dazwischen verschwindet, nicht nur bei diesem Thema, die soziale und materielle Grundlage des Ganzen: Für alle, die's sich nicht leisten können, war Kultur und ihre Produktion immer prekär, kam stets der "hard day" vor der "night", war es nie einfach, etwas jenseits der Lohn- und Hausarbeit zu machen, den Kopf dafür freizubekommen, die nötigen Kenntnisse zu erwerben, für Verfehlungen straffrei auszugehen. Besser als auf die herabfallenden Krümel erfolgreicher kapitalistischer Beutezüge und die Anerkennung der eigenen Verwertbarkeit zu hoffen, war von unten gesehen immer, sich zusammen zu tun, auf die Pauke zu hauen, auf der Unterstützung zu bestehen oder sich gleich direkt und gemeinsam Räume und Mittel herauszunehmen.

Das fordert den Vorwurf heraus, ein instrumentelles Verhältnis zum Pop zu predigen. Im Unterschied zu den anderen Akteuren auf dem Platz - Staat, Kapital und andere nicht-staatliche Strukturen - kann eine auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtete Perspektive für sich jedoch zurecht reklamieren, im Sinne von Pop zu wirken und dessen Versprechen, unbeschwert und freizügig zu leben, tatsächlich einlösen zu wollen. Andersherum wird ein Schuh daraus: die ins Werk zu setzende gesellschaftliche Veränderung wird sich auch daran messen lassen müssen, inwiefern sie dieses Versprechen einzulösen vermag, besser: inwiefern sie ermöglicht, dass Menschen dieses Versprechen, dass sie sich ja selbst gegeben haben, einlösen können.

Klarkommen um drüber rauskommen zu können, rauskommen um besser wieder reinzukommen: Vom weiterhin explodierenden Mehr der Unternehmensgewinne ebenfalls wieder ein Mehr bekommen zu wollen, ist eine Frage geschickten Taktierens und Arrangierens, gemeinsamer sozialer Kämpfe und Streiks, über soviele Grenzen und Diskriminierungen hinweg wie möglich. Ein Mehr an Erfüllung von Wünschen und Bedürfnissen fängt darauf aufbauend mit jeder Handlung, Äußerung, Note oder Zeile an, in der das traurige heutige Dasein dieser Wünsche und Bedürfnisse anklingt, in der diese erkennbar werden, die zu ihrer Erfüllung aufreizt oder die sie bereits praktisch zu erfüllen beginnt.

@p.m.k. Beginn: 20:00 / Eintritt: FreiWillig!

Daniel Kulla kommt aus der DDR, schreibt, übersetzt und spricht zu Rausch und Lust, Geschichte und Verschwörung, Ideologie und Klassenkampf, singt und tanzt bei Clastah, Egotronic und Björn Peng, bloggt auf www.classless.org

Daniel Kulla
Daniel Kulla

30.10.2018 #diskursiv: White noise - reaktionärer musikalischer Underground in Österreich

Aus gesundheitlichen Gründen des Vortragenden müssen wir den Vortrag "White Noise – reaktionärer musikalischer Underground in Österreich" vom "Nichtsgewusst Kollektiv", der am 30.10.2018 im Cafe Decentral in Innsbruck stattgefungen hätte, nachholen. Inhaltlich geht es um Subkultur und rechte Ideologien.

Abseits vom politisch eindeutig konnotierten Rechtsrock konnte sich im Österreich der späten 1980er im musikalischen Underground zwischen Gothic, Neo-Folk und Noise eine Landschaft von Musiker*innen, Bands und szeneeignen Publikationen etablieren, die nicht nur selbst von Beginn an offen mit nazistischen, faschistischen und anderen Ideologien gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit agierte, sondern sich nie mehrheitlich einer politischen Rezeption und Vereinnahmung durch politische Organisationen und Personen widersetzte. Vielmehr ging sie selbst im Gros dazu über, die Musik und die damit zusammenhängenden publizistischen Tätigkeiten als Instrument einer reaktionären politischen Agenda zu begreifen.
Weitere Infos:
http://vonnichtsgewusst.blogsport.eu

Café DeCentral, Hallerstrasse 1, 6020 Innsbruck
Doors: 20:00
white noise
white noise