Sperrstunde - Das Ende der Nacht

Sperrstunde - Das Ende der Nacht (Video1) - Wer braucht schon Clubs?

Contrapunkt
31. August 2022

Am Freitag den 4. und am Samstag den 5. Juni 2021 fanden die ersten zwei Veranstaltungen von dem im Rahmen der "TKI Open" geförderten Projekt "Sperrstunde - Das Ende Der Nacht" statt, mit DJs, Liveacts, Talks, Vorträgen, und noch mehr, alles rund um Clubkultur, den gegenwärtigen Zustand und möglichen Visionen.

Dieses Kurzvideo ist eine Zusammenfassung dieser zwei Veranstaltungstage.

 

Video by pogomov

Der Sound im Video ist ein Ausschnitt des DJ-Sets von i_am_not_god. Folgende zwei Songs sind zu hören:
Modeselektor, Flohio - Social Distancing (Little Snake Remix) (0:00-2:15)
SOPHIE - BIPP  (von 2:07-3:06)

Anbei findet ihr das Programm dieser zwei Tage

Der 1. Veranstaltungstag beschäftigte sich mit dem Club als sozialen und politischen Raum. Gemeinsam mit unseren Freund:innen der IG Clubkultur und der Club Commission Innsbruck gingen wir der Frage nach gehen, welche Bedeutung Club- und Nachtkultur und deren Räume für Menschen, für die Stadt und für Kulturproduktion haben? Was ist eine Stadt ohne Club- und Nachtkultur? Über das und vieles mehr wurde diskutiert. Barbara B. (Konnex/Yakamoz) spielte  in der  p.m.k Lounge.

Am 2. Veranstaltungstag gab es DJ Sound von Rev. Rumble, einen Vortrag von Kilian Jörg (Autor von der Clubmaschine/philosophy unbound). Hier eine Kurzbeschreibung des Vortrags:

Raving, Wasting, Health-Totalitariansm – Gedanken über die postcoronale Nach(t)kultur
„Mach kaputt was dich kaputt macht?“

Nachtkultur steht vor einem pandemischen Scherbenhaufen. Die Clubs waren die ersten, die schließen mussten und werden die letzten sein, die wieder aufmachen dürfen – sofern sie das dann überhaupt noch können. Der Kapitalismus macht uns kaputt. Sei es durch Ausbeutung am Arbeitsplatz, sexistische und rassistische Ausgrenzung und Normierung oder ökologische Zerstörung: auch der Virus ist Kapitalismus – und der Kapitalismus ein Virus.
Gesundheit ist wichtig. Doch wer definiert sie? Und brauchen viele von uns nicht auch das zerstreuende Raven, um in dieser kaputten Welt erstmal einigermaßen gesund zu werden? … und gesund zu bleiben? Aber auch: was für Lernprozesse und utopische Entwürfe schimmern durch den immer-noch-irgendwie-andauernden Lockdown für die Nachtkultur? Ein fragender Theorietrip über die Utopie des Raven und des Getting Wasted in Zeiten der ökologischen Katastrophe.

kilianjoerg.blogspot.com
philosophyunbound.tumblr.com

Zum Schluss noch eine Allgemeine Beschreibung unseres "Sperrstunde - Das Ende der Nacht" Projekts

Als im März 2020 in den Clubs die Lichter ausgingen, bedeutete das nicht lediglich das Verstummen der Anlage und das Eintrocknen der Zapfhähne. Es bedeutete einen Verlust ganzer Lebensentwürfe. Jazz; Blues; Funk; Disco; Techno, HipHop, die gesamte Bass-Kultur; queere Raumstrukturen, sexpositive Partys: vieles was uns heute als Selbstverständlich erscheint wäre nicht entstanden, hätte es nicht auch die dazugehörigen Spelunken, Bars und Clubs gegeben, die diesen anfangs oft argwöhnisch beäugten Kulturformen spät-nächtens die entsprechenden Bühnen geboten hätten. Und wahrscheinlich hätte es noch weniger davon gegeben, wenn es nicht auch die Menschen gegeben hätte, die sich in einem Akt der Selbstermächtigung, Räume auch einfach selbst angeeignet hätten, um dort ihren Persönlichkeit(en) und künstlerischen Ausdrucksweisen den nötigen Platz zu geben. Orte der Nacht- Club- und Ravekultur waren immer auch Gegenentwürfe zu einer bürgerlichen Ordnung, die für sich in erster Linie die hellen Stunden des Tages als ausschlaggebend definiert hat. Die Nacht war wahrscheinlich schon immer tendenziell eher denjenigen vorbehalten, die eben nicht nur „die heiteren Stunden der Sonnenuhr“ zählen, sondern sich ihre eigene Sonne in Form einer strahlenden Diskokugel erschaffen wollten.
Mit der Reihe „Sperrstunde - Das Ende der Nacht“ zollt das Kulturkollektiv ContrApunkt an 3 Tagen allen Kulturformen der Nacht seinen Tribut und begleitet dabei sowohl theoretisch als auch dokumentarisch damit einhergehende Veränderungen.

Diese Veranstaltung wurde unterstützt von  
Kategorie: Sperrstunde - Das Ende der Nacht