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gegen:WART //// Kulturelle Aneignung //// stolen culture - //// searching for the origin

Contrapunkt
17. Januar 2023

Am 23. Februar 2023 laden wir euch ins RFDI - Reich für die Insel ein zur zweiten Veranstaltung unserer Diskursreihe gegen:WART //// es geht bergab. An diesem Abend beschäftigen wir uns mit dem Thema „Kulturelle Aneignung - Cultural Appropriation“ und begrüßen dazu Jens Balzer und Deborah Krieg als Diskutant:innen.

Sujet: eekhoorn.at

gegen:WART //// Kulturelle Aneignung //// stolen culture - //// searching for the origin

„Most of my heroes don't appear on no stamps, Sample a look back; you look and find nothing but rednecks for 400 year,“ so Public Enemy 1989 in ihrem Song „Fight the Power”. Dieser Song ist die erste musikalischen Auseinandersetzung, wo etwas zum Thema wird, was gegenwärtig als Cultural Appropriaton Schlagzeilen macht. Der Musiker und Autor Greg Tate schrieb 1993 in seinem Werk „Everything but the burden." über die Geschichte der amerikanischen Popmusik und deren stetige Aneignung Schwarzer Kultur: „Unsere Musik, unserer Mode, unsere Frisuren, unsere Tänze, unsere Körper, unsere Seelen - das alles haben sie schon immer wie reife Früchte behandelt, die an einem Obstbaum am Wegesrand hängen und die man also einfach so abpflücken kann."

Die Auseinandersetzung mit Aneignung von kulturellen Praktiken hat seit ein paar Jahren auch das europäische Festland erreicht. So irritierte  im Frühjahr 2022 die Ausladung der weißen deutschen Musikerin Ronja Maltzahn durch einen Ableger der Friday for Future Bewegung. Grund dafür sind ihre Dreadlocks, denn Maltzahn trägt als weiße Person Dreadlocks – „Das sei eine Form der kulturellen Aneignung“. Dreadlocks seien „in den Zeiten der Sklaverei von weißen Menschen als ein Zeichen der Unterdrückung genutzt worden,“ ist in einer Nachricht von „Fridays for future” Hannover zu lesen.

Ist die Kritik an Ronja Maltzahn nun emanzipatorischer Fortschritt oder historischer Rückschritt?

Cultural appropriation thematisiert Aneignungsprozesse zwischen ungleichen Gruppen und wie mit deren Ideen und Gütern Profit gemacht wird. Doch ab wann gehört denn eine Idee zu einer Gruppe? Ab wann ist etwas ursprünglich, wer kann diese dann für sich beanspruchen? Damit geht ein Verständnis von Kultur einher, dass als essentialistisch verstanden wird, nämlich dass Menschen innerhalb einer Gruppe etwas gemeinsames besitzen, dass sie verbindet. Diese Idee tangiert mit rassistischen Vorstellungen und einem ethnopluralistischen Weltbild wie wir es bei den rechtsextremen Identitären vorfinden. Jene würden vermutlich ebenso für sich beanspruchen, dass Weiße Menschen keine Dreads zu tragen haben, da es ja nicht Teil ihrer Kultur ist.

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass innerhalb einer Gesellschaft kulturelle Aneignungsprozesse ein wesentlicher Faktor für Entwicklung und Veränderung sind. Doch wo beginnt Ausbeutung, kann Aneignung auch Wertschätzung sein und ist nicht viel mehr die Ökonomie des Kapitalismus das Problem?
 
Wir freuen uns auf einen Abend im RFDI und laden euch ein, gemeinsam mit Jens Balzer und Deborah Krieg in eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Kulturelle Aneignung" zu treten. Moderiert wird dieser Abend von Maurice Kumar.

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Deborah Krieg
Deborah Krieg

Deborah Krieg ist Bildungsreferentin der Bildungsstätte Anne Frank, mit den Schwerpunkten historisch politische Bildung, sowie Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung in der postmigrantischen Gesellschaft, Kuratorin des interaktiven Lernlabors „Anne Frank. Morgen mehr“ und war als Beraterin bei response, der hessischen Beratungsstelle für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt tätig.

Deborah Krieg zu Kulturelle Aneignung

„Die wiederkehrenden Debatten um kulturelle Aneignung werden häufig sehr emotional geführt und von vielen Verunsicherungen, Unschärfen, Pauschalisierungen und Abwehrreaktionen begleitet. Sie sind ein deutlicher Beleg dafür, dass die Frage nach einem Umgang mit historischem Erbe für unser gegenwärtiges Zusammenleben und unser Selbstverständnis weiterhin eine hohe Relevanz hat.“
 

Jens Balzer
Jens Balzer

Jens Balzer, 1969 geboren, lebt in Berlin. Er ist Autor im Feuilleton von DIE ZEIT und Kolumnist für radioeins; gemeinsam mit Tobi Müller kuratiert er den monatlichen Popsalon am Deutschen Thea-ter Berlin, und er ist künstlerischer Berater des Donaufestival Krems. Er hat zahlreiche Bücher zur Kulturtheorie und Gesellschaftsgeschichte verfasst. Zuletzt erschienen: „Pop. Ein Panorama der Gegenwart“ (Rowohlt Berlin 2016), „Pop und Populismus“ (Edition Körber, Hamburg 2019), „Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist der 70er“ (Rowohlt Berlin 2019), „High Energy. Die Achtziger – Das pulsierende Jahrzehnt“ (Rowohlt Berlin 2021), „Schmalz und Rebellion. Der deut-sche Pop und seine Sprache“ (Dudenverlag, Berlin 2022) und „Ethik der Appropriation“ (Matthes & Seitz, Berlin 2022).

Jens Balzer zu Kulturelle Aneignung

„Kulturelle Aneignung ist ein Ausdruck ungerechter Machtverhältnisse. Aber sie ist auch das Grundprinzip jeder Kultur, ohne Aneignung gibt es nichts. Die Frage ist: Wie kann man eine Kritik der kulturellen Aneignung formulieren, die ihre Verstrickung in Rassismus und Kolonialismus thematisiert - ohne zugleich in die Falle des Identitätsdenkens zu gehen?“

Maurice Munisch Kumar
Maurice Munisch Kumar

Maurice Munisch Kumar (Sozial- und Kulturarbeiter unter anderem bei Kulturkollektiv ContrApunkt, Archive-IT/Subkulturarchiv, TKI)


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Datum: 23.2.2023
Ort: RFDI - Reich für die Insel
Vortragende:

Jens Balzer und

Deborah Krieg

Rahmenprogramm:

Ausklang mit

Alaska Al vs. Al Tropical


Diese Veranstaltungsreihe wird im Rahmen der stadt_potenziale innsbruck 2021 gefördert:   
Kategorie: gegen:WART