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gegen:WART

7.6.2023 gegen:WART //// Extremismus //// - Fanatisierung im Home Office

Contrapunkt
16. Mai 2023

In der fünften Ausgabe unserer Diskursreihe gegen:WART //// es geht bergab laden wir am 7.6.2023 ins aut - architektur und tirol (Lois Welzenbacherplatz 1) ein. Die Gäste an diesem Abend sind Nina Horaczek und Michael Bonvalot. Moderiert wird der Abend von Eva Grigori. Wir laden ein in Diskussion zu gehen zum Thema:

gegen:WART //// Extremismus //// - Fanatisierung im Home Office

Der Ton ist rau, nicht nur - aber auch besonders - im Internet. Doch warum eigentlich? Die gängige Erzählung besagt, dass die Mehrheitsgesellschaft der „gemäßigten“ Mitte zugeordnet werden kann, die die Basis und das Herzstück unserer demokratischen Grundordnung bildet - die "ganz normalen" Leute also. Dass sehr viele dieser ganz normalen Leute aber auch anders können, haben spätestens die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gezeigt. Nun wurde auch Menschen, die aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen und einschlägige Telegram-Kanäle nicht so sehr auf dem Schirm hatten, bewusst, dass es in der Gesellschaft offenbar doch heftiger zu brodeln scheint als gemeinhin angenommen. Plötzlich wurden Bürgerinnen und Bürger, die ihr Leben lang noch nie an einer Demonstration teilgenommen haben, zu Profis des zivilen Ungehorsams. Szenen von sich mit der Polizei prügelnden Familienvätern, Blumenkindern, die neben organisierten Neonazis marschierten - für viele altgediente Extremistinnen und Extremisten war die schon lange erträumte Querfront zwischen den Lagern zur Überwindung des Staates endlich zum Greifen nahe - und viele Menschen nahmen diese Zusammenarbeit auch dankend an.
 
Es ist mittlerweile bekannt, dass nicht nur die beengten Lebensumstände aufgrund der Corona-Maßnahmen für viele Menschen Ausgangspunkt für eine persönliche Radikalisierung und einer Öffnung gegenüber extremistischen Gruppierungen waren. Oft hat diese Radikalisierung bereits vor längerer Zeit im Stillen oder auch weniger Stillen Alltag begonnen. Eine Gemeinsamkeit sind hier oft altbekannte Ressentiments gegen „die da oben“ und eine Bedrohung für die eigene entitätsspezifische Gruppe. Wie wir sehen, zeigen sich diese Ansätze jedoch nicht nur in rechtsextremen Kreisen wieder. Ein Gefühl, dass die eigene Lebensgrundlage durch eine andere Gruppe immer stärker bedroht wird und man sich nun endlich auch einmal mit Gewalt wehren müsse, ist in den allermeisten radikalen politischen und/oder religiösen Gruppierungen ausschlaggebend.
 
Diese gesellschaftliche Radikalisierung hat Auswirkungen auf alle Bereiche unseres Lebens - vor allem auch auf Journalistinnen und die Rahmenbedingungen, in die diese eingebettet sind. Im Rahmen der Veranstaltung wollen wir deshalb der Frage nachgehen, inwiefern sich die gesellschaftliche Radikalisierung der letzten Jahre auf die Art und Weise auswirkt, wie Medien über politische Ereignisse und soziale Themen berichten. Wie gehen Journalisten damit um, wenn sie mit einer zunehmend polarisierten und emotional aufgeladenen Öffentlichkeit konfrontiert sind? Haben sich die Rahmenbedingungen zur Berichterstattung seit der Pandemie verändert oder haben sie gewisse Tendenzen nur verstärkt?

Diese Fragen werden wir mit unseren Diskussionsteilnehmer:innen Nina Horaczek, Michael Bonvalot und Eva Grigori diskutieren. Nina Horaczek, geboren 1977,  ist Politologin, Journalistin, Buchautorin und Chefreporterin der Wiener Wochenzeitung „Falter“. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Neue Rechte in Österreich und Europa, Sozialstaat, Migration, Asyl und Frauenrechten. Sie ist Mitbegründerin des länderübergreifenden Recherchenetzwerkes „Europes Far Right“. Michael Bonvalot ist Journalist und Autor in Wien. Er ist Herausgeber von standpunkt.press. Bonvalot recherchiert seit Jahren über die extreme Rechte und war bei so gut wie allen großen Corona-Aufmärschen in Wien vor Ort. Als Reaktion auf seine Recherchen wird er aus der einschlägigen Szene regelmäßig bedroht und teils sogar körperlich attackiert. Eva Grigori ist aktuell Dozentin für Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Pölten und arbeitet als Trainer*in für verschiedene Auftraggeber*innen, v.a. aber für die Beratungsstelle Extremismus (zu den Themen Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien und Zivilcourage). Im Rahmen ihrer Dissertation erforscht sie derzeit, wie Sozialarbeiter*innen Rechtsextremismus wahrnehmen und deuten.


gegen:WART //// Extremismus //// - Fanatisierung im Home Office

ORT: aut - architektur und tirol (Lois Welzenbacherplatz 1)

BEGINN: 19:30


Wir laden alle Interessierten dazu ein, an der fünften Ausgabe unserer Veranstaltungsreihe “gegen:WART - es geht bergab” teilzunehmen und sich an der Diskussion zu beteiligen. Wir freuen uns darauf, mit euch die Auswirkungen der gesellschaftlichen Radikalisierung auf die Medienberichterstattung zu diskutieren und vielleicht auch Lösungen zu erarbeiten, wie wir gemeinsam dazu beitragen können, eine ausgewogene und unabhängige Berichterstattung sicherzustellen. Es ist uns bewusst, dass die Themen, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe besprochen werden, emotional aufgeladen sind und die Basis für hitzige Diskussionen bilden können, sollen und dürfen. Trotzdem - oder genau deshalb - legen wir Wert auf eine konstruktive Diskussionskultur.


gegen:WART //// Extremismus //// Fanatisierung im Home Office //// Veranstaltungsteaser von pogomov


Michael Bonvalot


Michael Bonvalot:
Michael Bonvalot ist Journalist und Autor in Wien. Er ist Herausgeber von standpunkt.press. Bonvalot recherchiert seit Jahren über die extreme Rechte und war bei so gut wie allen großen Corona-Aufmärschen in Wien vor Ort. Als Reaktion auf seine Recherchen wird er aus der einschlägigen Szene regelmäßig bedroht und teils sogar körperlich attackiert.
bonvalot.net
 
Statement von Michael Bonvalot:
 
“Für die extreme Rechte war die Pandemie ein Glücksfall. Also zumindest für jene, die nicht schwer erkrankt oder sogar gestorben sind, weil sie die Impfung verweigert haben. Wir wissen, dass ein Gutteil der Bevölkerung anfällig für verschiedene (im Kern fast immer antisemitische) Verschwörungserzählungen ist. Doch vor der Pandemie passierte das meist allein und im stillen Kämmerchen. Mit COVID-19 aber wurden all diese Absurditäten wirkmächtig und haben sich als Aufmärsche auf die Straße übertragen.
 
Von Beginn an unter extrem rechter Führung und teils mit zehntausenden Teilnehmer:innen. Präsent war das gesamte Spektrum der extremen Rechten: Von der FPÖ über katholisch-reaktionäre Kreise und die neofaschistische Gruppe Identitäre bis zu offenen Neonazis samt einschlägigem Hooligan-Anhang.
 
Die Hochphase dieser Pandemie dürfte nun vorbei sein - doch die einschlägigen Strukturen, Telegram-Kanäle und Medien sind geblieben.
 
Journalistische Arbeit und Recherchen über diese Aufmärsche und die rechte Szene sind für mich inzwischen enorm gefährlich. Ich bekomme regelmäßig Drohungen bis hin zu Morddrohungen. Eine Wohnungstür, die mir fälschlich zugerechnet wurde, wurde mit Drohungen beschmiert. Und auf den einschlägigen Aufmärschen werde ich immer wieder körperlich attackiert, teils sogar mit Pfefferspray. Von rechten Aufmärsche kann ich inzwischen nur noch mit einem mehrköpfigen Presseschutzteam berichten.
 
Die Polizei? Die ist nicht unbedingt hilfreich. Ganz im Gegenteil: Auch seitens der Behörden wird die Freiheit der Berichterstattung regelmäßig eingeschränkt. Immer wieder gehe ich deshalb auch vor Gericht - und gewinne laufend Verfahren gegen die Polizei.” 

Nina Horaczek / Foto: Katharina Gossow


 
Nina Horaczek:
Nina Horaczek, geboren 1977,  ist Politologin, Journalistin, Buchautorin und Chefreporterin der Wiener Wochenzeitung „Falter". Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Neue Rechte in Österreich und Europa, Sozialstaat, Migration, Asyl und Frauenrechten. Sie ist Mitbegründerin des länderübergreifenden Recherchenetzwerkes „Europes Far Right".
falter.at/zeitung/autoren/nina-horaczek
 
Statement von Nina Horaczek:
 
“Der rechtsextremen Szene ist es während der Pandemie sehr geschickt gelungen, die zum Teil verständlichen Zukunftsängste und Sorgen vieler Menschen in eine völkische Richtung zu kanalisieren. Mit der Umdeutung der Pandemie in einen vermeintlichen „Great Reset" gab es eine ebenso falsche wie für viele Menschen einfache und befreiende Erzählung einer großen Verschwörung, die hinter allem steht. In dieser irrationalen Erzählung sind Medien Teil der Verschwörung. Dadurch sank in einem Teil der Bevölkerung auch das Vertrauen in unabhängigen Journalismus. Durch das übergroße Angebot an rechtsextremen Propagandamedien in Österreich wurde diesen Personen suggeriert, es gäbe eine alternative „Wahrheit". Die Konsumentinnen und Konsumenten dieser Propagandamedien werden von Fake News umspült, die weit über das Thema Coronapandemie hinausreichen. So gelang es, rechtsextreme Propaganda bis hinein in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.”

Eva Grigori

Eva Grigori 
Eva Grigori
ist Dozentin für Soziale Arbeit an der Fachhochschule St. Pölten und arbeitet als Trainer*in für verschiedene Auftraggeber*innen, v.a. aber für die Beratungsstelle Extremismus (zu den Themen Rechtsextremismus, Verschwörungstheorien und Zivilcourage).

Diese Veranstaltungsreihe wird im Rahmen der stadt_potenziale innsbruck 2021 gefördert:   


 

Kategorie: gegen:WART